Die Ikaris

Kapitel 3: Zurück in die Schule




Egal, wie viel auch passiert ist oder wie unüblich die Ereignisse waren; selbst der merkwürdigste Tag würde mal sein Ende finden...

"YEEEEEEEEEEEEEEEE-HAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!"

...und ein neuer Morgen würde über Tokio-3 heran brechen, begleitet von den lieblichen Weckgeräuschen, die aus der Katsuragi-Residenz hallten.

"Kannst du dein Morgen-Bier nicht etwas leiser genießen?" murmelte Asuka, als sie gähnend und noch immer in ihren Schlafsachen in die Küche schlurfte, wo Misato an ihrer Bierdose schlürfend am Tisch saß, während Shinji gerade damit beschäftigt war, das Frühstück herzurichten.

Das Ehepaar tauschte einen unbehaglichen Blick aus, bevor sie schleunigst wieder ihren Ursprungszustand wieder einnahmen.

Allerdings nicht schnell genug, den Augen des Spott-geübten Majors zu entgehen.

"Was?" fragte sie. "Kein:
'Guten Morgen, Liebste!'
'Morgen, Liebling! Hmm, riecht gut!' "
Sie betonte jede Rolle, indem sie sich umdrehte und ihre Stimmen imitierte.
" 'Nur das Beste für meinen Schatz!'
'Oh, das ist sooo süß von dir, Schätzchen!' "

Asuka verengte ihre ohnehin noch halb geschlossenen Augen etwas mehr. "Du kannst froh sein, dass ich zu müde bin, um dich umzubringen..."

"Oh? Wie kommtís? Du bist sonst um diese Zeit schon fertig im Bad."

"Frag nicht. Ich hatte..." Asuka warf Shinji, der sein bestes gab, sich auf das Zubereiten des Frühstücks zu konzentrieren, einen finsteren Blick zu. "...Alpträume..."

"Nun, du solltest besser schnell wach werden. Denk dran, ihr habt heute Schule", erinnerte Misato.

Es heißt, koffeinhaltige Getränke, vorzugsweise Kaffee, kann Müdigkeit im Nu vertreiben.
Einige Leute brauchen einfach einen Spritzer Wasser ins Gesicht.
Romantiker sagen, es gäbe keinen besseren Weg um aus dem Reich der Träume in das Land der Realität zu reisen, als ein Kuss deiner großen Liebe. (Nicht-so-Romantiker würden etwas empfehlen, das noch weiter geht; aber das Thema wollen wir jetzt hier nicht vertiefen...)
Andere brauchen ein grobes Wecken, wie ein lautes Schreien, ein durchgängiges Schütteln oder sogar eine Ohrfeige, um wieder zu Sinnen zu kommen.

Für Asuka reichte an diesem Morgen die Ankündigung zur Schule zu müssen.

"WAS? Ich kann nicht in die Schule!"

Misato blinzelte verwundert. "Warum? Du scheinst nicht krank zu sein."

"Machst du Witze?" Sie zeigte auf Shinji. "DAS ist noch wesentlich schlimmer!"

" 'DAS' ist kein Grund für mich, euch von irgendwelchen eurer Pflichten zu entschuldigen."

"Aber... Ich... ARGH!" Sie wirbelte herum. "Ich wette, du wusstest davon!"

"Na ja, es war nicht wirklich ne Überraschung", gab er kleinlaut zu.

Es dauerte einige Momente des zornigen Starrens und Schnaufens, bis sie letztlich ihren Zorn genug abgekühlt hatte, um ihn nicht auf der Stelle umzubringen.

"Schön! Ich bin im Bad!" grummelte sie. "Und du hast besser mein Frühstück auf dem Tisch, wenn ich fertig bin, Third!"

Als er sie fluchend aus der Küche stampfend sah, kam ihm ein Gedanke; einen den er schon öfter hatte und heute war es bestimmt nicht zum letzten Mal.

'Das wird wieder ein laaaanger Tag...'



**************************



"Ich hab's schon verstanden, als du es das erste Mal gesagt hast, weißt du?" jammerte Shinji, während sie auf dem Weg zur Schule waren.

"Das ist egal! Lass es mich noch mal hören!"

Er seufzte; wissend, dass er keine große Wahl hatte.

"Ich werde niemanden von dem Zweitschlimmsten erzählen, dass ich dir dadurch hätte antun können, deine getrübten Sinne auszunutzen; ansonsten erinnerst du mich daran, dass es für dich noch einen anderen Weg gibt da raus zu kommen als Scheidung," wiederholte er leise, was Asuka ihm bislang etwa zwölf mal eingetrichtert hatte.

"Gut! Und vergiss das nicht!" warnte ihn der Rotschopf; ihre Faust drohend vor seinem Gesicht schüttelnd.

"Was soll er nicht vergessen?" Die Stimme hinter ihnen ließ sie beide zusammenzucken.

"Oh, eh, h-hi, Hikari!"

"Guten Morgen, ihr Zwei", begrüßte sie Hikari mit einer leichten Verbeugung. "Also, worüber habt ihr euch unterhalten?"

"Nun, weißt du..." stammelte Shinji einer Panikattacke nahe, während sein Blick zwischen Asuka und der Klassensprecherin hin- und herschweifte.

"Er... äh... sollte die Hausaufgaben nicht vergessen!" winkte das Second Children unschuldig ab.

"Nun, ich kann nur hoffen, dass ihr so etwas nicht vergesst", sprach Hikari in ihrem autoritären Ton, den sie immer benutzte, wenn es um schulische Dinge ging. Aber dann erlangte etwas Anderes ihre Aufmerksamkeit. "Oh, Asuka, seit wann trägst du einen Ring? Hast du nicht immer gesagt, du bräuchtest keinen Schmuck, um deine Schönheit hervorzuheben?"

Asuka und Shinjis weit aufgerissene Augen wanderten zu ihrer Hand, wo der verräterische Ring noch immer deutlich sichtbar war. Sie versteckte die Hand so schnell es ging hinter ihrem Rücken.

"Äh... sag mal, ist es nicht schon etwas spät?" versuchte sie erfolgreich ihre Freundin abzulenken.

"Oh mein Gott, du hast Recht! Wir müssen uns beeilen!"



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Bislang war es ein üblicher Schultag. Die ständigen monotonen Ausschweifungen des Lehrers waren mehr als genug, die Schüler in einen Zustand der totalen Gedächtnisleere zu lullen, in welchem sie dazu neigten alles zu vergessen; selbst so etwas wie eine unkonventionelle Hochzeit.

Aber eher früher als später würde die Mittagspause eingeläutet und mit ihr eine Szene, die den anderen Schülern wohl bekannt war:

Ein gewisser wütender Rotschopf würde einen gewissen schwächlichen Jungen aus irgendwelchen Gründen ausschimpfen...

"Was soll das heißen: 'Du hast unser Essen vergessen'??"

...er würde eine kleinlaute Antwort geben...

"Na ja, i-ich hatte nicht viel Zeit gestern. U-und danach, na ja, du weißt schon..."

...sie würde noch wütender werden...

"Soll das heißen, ICH muss auf mein Essen verzichten, weil DU ohnmächtig wurdest, nachdem du ein dämliches Video gesehen hast?"

...und letztendlich würden sie bei einem ihrer Freunde unterbrochen werden.

"Oh, mal wieder Ehekrach?"

Tojis Kommentar füllte den Klassenraum mit Gelächter, aber er bekam nicht die erwartete Reaktion von den beiden Angesprochenen. Anstelle von Verlegenheit und Schamesröte, war er mit den entsetzten Blicken der Beiden konfrontiert.

"WOHER WEIßT DU DAS???"

Und das Gelächter war ersetzt durch Stille...


Es dauerte mindestens eine volle Minute, bis die ersten ihrer Klassenkammeraden wieder fähig waren zu sprechen.

"I...i-ihr m... meint doch nicht..."

"K-kann nicht sein..."

"I-ihr seid..."

"...verheiratet?"

Die tiefroten Gesichter des Paares reichten als Antwort, um das Gelächter noch lauter zurückzubringen als es zuvor war; mit einigen "Ich wusste es!"s, "Gut gemacht!"s, "Herzliches Beileid, Mann!"s und ein paar "Wie konntet ihr nur?"s zwischendrin.

Während die Aufmerksamkeit der Klasse auf der augenzuckenden Asuka, die aussah, also würde sie jede Sekunde explodieren; und dem jammernden Shinji, der versuchte sich unter seinem Tisch zu verstecken lag, bemerkte niemand das rötliche Augenpaar, das die Szene mit äußerster Faszination betrachtete.

Natürlich kannte Rei das Grundkonzept einer 'Ehe', aber sie hatte nie das Bedürfnis empfunden, dessen weiter nachzugehen. Aber diese neue Beziehung zwischen dem Second und Third Children rief ihr Interesse hervor. Sie machte sich eine geistige Notiz, nachzuforschen und ihr Wissen in dieser Angelegenheit zu vertiefen.

Derzeit teilten sich die Wolken, die sich über der Schule bildeten innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde; Vögel im Umkreis von 500 Metern flohen von ihren Bäumen so schnell sie konnten, während andere sensitive Tiere wild wurden, als...

"HAAALTET DIE SCHNAAAAUUUUZZZEEEEEE!!!!!"

...Asuka schließlich explodierte.

Shinji dankte Gott, dass sein gerade gebauter Schultisch-Bunker den Einschlag zumindest ein klein wenig dämpfte.



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"Shinji, Shinji, Shinji," Toji klopfte auf den Rücken seines Freundes, während er seinen Kopf ungläubig schüttelte. "Du warst schon immer ein seltsamer Kerl, aber was auf Erden gab dir die dümmste aller Ideen, einen Dämon zu heiraten?"

Der einstige Junggeselle seufzte. Er war froh, dass die Drei Zuflucht auf dem Dach gefunden haben, nachdem die allgemeine Aufregung sich gelegt hatte; während Hikari irgendwie versuchte Asuka zu beruhigen. Hätte der Rotschopf Tojis Bemerkungen gehört, würden seine Ohren wohl nie Zeit haben, sich zu erholen.

"Ich beneide ihn", gab Kensuke trübsinnig zu, was ihm ein missfallenden Blick des Sport-Fans einbrachte. "Nicht nur, dass er immer mit all den heißen Mädels rumhängt; jetzt hat er sogar eins an sich gebunden."

"Mann, du fängst an mir Angst zu machen!" schnaufte Toji. "Ich könnte verstehen, wenn es Misato wäre, aber mit das verheiratet zu sein ist definitiv nichts weswegen man eifersüchtig sein sollte."

Shinji seufzte erneut. "Ich weiß nicht, wie das passieren konnte", murmelte er. "Asuka ist wütender als jemals zuvor und das ist eigentlich nahezu unmöglich."

"Was meinst du damit: 'Du weißt es nicht'?" Toji schielte ihn an. "Wie kann der Bräutigam nichts von seiner Hochzeit wissen?"

"Nun, weißt du, wir waren... wie es scheint, nun... etwas... betrunken..." stammelte Shinji.

Seine Freunde schien diese Antwort nicht zufrieden zu stellen. "Du willst dich doch nur nicht dafür entschuldigen, das du keine Junggesellenparty schmeißen wolltest!"

"Eine was?" quietschte Shinji.

"Toji hat recht! Und sag uns nicht, wir hatten die Party vorgestern! Die Mädels waren da! Nicht zu vergessen, dass du und Asuka uns vollkommen ignoriert habt, als ihr angefangen habt mit eurem komischen Spie..." Der Brillenträger hielt inne, als ein Gedanke sein Hirn durchzuckte. "Hey, Toji, glaubst du, dass Ganze ist wegen diesem Spiel passiert?"

"Hmm", überlegte Toji nickend, "Das wäre eine Erklärung..."

Unnötig zu sagen, dass das Third Children jetzt noch mehr verwirrt wahr, als zuvor. "Was für ein Spiel?" fragte er.

"Du erinnerst dich nicht mal daran?"

Ein unangenehmes Gefühl von Panik in sich steigen fühlend, brachte er es nur fertig langsam seinen Kopf zu schütteln.

"Na ja", Toji kratzte sich nachdenklich am Kopf. "Du und Asuka seit in etwas hineingeraten, dass man beschreiben könnte als... äh... eure eigene Version von 'Wahrheit oder Pflicht'..."

"...Nur ohne 'Wahrheit'..."



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Vor zwei Tagen, nachdem Shinji gerade nach dem Zwischenfall mit dem zwölften Engel aus dem NERV-Krankenhaus entlassen wurde, um in der Katsuragi-Residenz mit einer "Willkommen Zuhauseď-Party begrüßt zu werden, die seine Freunde arrangiert haben. Die 'Party' war der ziemlich ähnlich, die Kensuke zu Misatos Beförderung organisiert hatte. Alle sechs (oder sieben, wenn man PenPen mitzählte) saßen an dem kleinen, mit Essen und Getränken bedeckte Tisch im Wohnzimmer; Misato und Shinji auf einer Seite, links von ihnen Toji und Kensuke, auf der anderen Seite Asuka, Hikari und PenPen auf Hikaris Schoß. Es lief ab wie üblich: Misato betrank sich kräftig; Shinji war still und etwas peinlich berührt über den ganzen Aufwand, der seinetwegen betrieben wurde; die Jungen und die Mädchen (hauptsächlich Asuka) stritten über die trivialsten Dinge; und nicht zu vergessen, die Beschwerden des Rotschopfs, dass Kaji wegen seiner Arbeit nicht anwesend sein konnte.

"Ein Hoch auf meinen kleinen Shin-chan, Alptraum der Engel!" lallte Misato einen weiteren Toast und leerte eine weitere von unzähligen Dosen Bier in einem Zug.

"D-danke..." murmelte der Junge beschämt.

"Ja, wir wissenís schon!" meinte Asuka verärgert. "Der allmächtige, unbesiegbare Shinji, der Engel zum Frühstück verspeist! Gott, ich kannís nicht mehr hören!"

"Asuka", versuchte die Klassensprecherin ihre Freundin zu beruhigen, als sie das Third Children noch mehr zusammenkauern sah, "Solltest du nicht froh sein, dass er zurückkommen konnte?"

"Warum sollte ich?"

Tja, wie es schien, war sie nicht in der Stimmung für kleine, subtile Andeutungen, dass sie ihn eigentlich doch mag.
"Äh, wir hätten diese Feier dann nicht, zum Beispiel."

"Oh, wir hätten diese Party auch, wenn, sagen wir, ein gewisser anderer Pilot da in das Ding reingefallen wäre ohne zurückzukommen!" provozierte Toji den Rotschopf.

"ACH JA?"

"JA!"

"Hey, was ist das für ein Geräusch?" unterbrach Kensukes Stimme die Kette der Ereignisse, die üblicherweise Schmerzhaft für den Sportler endeten. Alles war nun still, abgesehen von dem Leisen Geräusch von...

"Schnarchen?" Shinji sah zu der lilahaarigen Frau an  seiner Seite, die immer noch im Schneidersitz am Tisch saß; die Bierdose fest in der Hand, aber die Augen geschlossen und mit einem gleichmäßigen, hörbaren Rhythmus atmend. "Also, das ist merkwürdig."

"Stimmt", gab Asuka zu. "Sie verliert das Bewusstsein sonst nicht bevor sie mindestens 4 Promille hat..."

"Sollten wir sie nicht ins Bett bringen?" fragte Shinji. "Ich mein, wir können sie nicht so hier schlafen lassen..."

Ein identisches breites Grinsen erschien auf Toji und Kensukes Gesichtern. "Wir erledigen das!" boten sie sich freudig an.

"Ihr zwei Hentais würdet auf dem halben Weg zu ihrem Zimmer an euerem enormen Nasenbluten draufgehen", fauchte Asuka angewidert. "Komm Hikari, wir bringen Major Trunkenbold in ihr 'Fort Schweinestall'."

Die Braunhaarige nickte, nahm PenPen vorsichtig von ihrem Schoß und stand auf, um Asuka zu helfen, welche bereits versuchte Misato hoch zuhieven, während sie etwas stöhnte wie "Von wegen, 55 Kilo!"

Das einstige Idioten-Duo gaben einen simultanen, traurigen Seufzer, als ihr Lieblings-Major aus ihrem Blick getragen oder besser gesagt, geschleift wurde.

"Hey, Toji, vielleicht sollten wir jetzt gehen..."

"Ja, jetzt wo nur noch die Klassensprecherin und der Dämon hier sind..." stimmte Toji zu und stand auf.

"Ich dachte, ihr schmeißt diese Party für mich", murmelte Shinji mit einem Anflug von Beleidigung in seiner Stimme, was sie prompt innehalten ließ.

"Äh, weißt du..."

"Oh, ihr wollt gehen?" unterbrach Asukas bedrohliche Stimme von der Küchentür her. "Zu dumm; der Spaß fängt gerade erst an!" Triumphal präsentierte sie einen großen Teil von Misatos Biervorrat. Hikari hinter ihr machte nicht gerade ein Gesicht, dass sonderlich viel Zustimmung zeigte.

"Hä?" Toji kratzte sich am Kopf. "Was ist das?"

"Was? Bist du blöd und blind?" grummelte Asuka. "Jetzt wo 'Big Sister' nicht mehr zusieht, werden wir eine richtige Party feiern!"

"Denkst du wirklich, das ist eine gute Idee?" Shinji betrachtete die Dosen sichtlich nervös. "Ich mein..."

"Ich hab ihr das auch schon gesagt", stimmte Hikari zu. "Aber sie will nicht hören."

Offensichtlich fuhr diese damit fort, da sie ihre Freundin ignorierte und Shinji angrinste.

"Was, Third? Hast du Angst vor einem kleinen Bier?"

"H-hab ich nicht!" erklärte er so selbstsicher, wie er fertig brachte.

"Ja sicher! Na ja, dein schwächlicher Körper wäre ohnehin nicht fähig Alkohol zu vertragen", stichelte sie. "Ich wette, du kannst nicht einen Schluck runterkriegen, bevor du alles wieder ausspuckst."

Ein Anflug von Verletztheit, Ärger und sogar ein (wirklich) kleines Bisschen Stolz funkelte in seinen Augen, als er aufstand, eine der Dosen nahm und sie öffnete. Er verzog die Miene ein wenig angesichts des bitteren Gebräus.

Dann hob er es zum Mund, schloss die Augen, warf seinen Kopf zurück und trank und trank ohne abzusetzen. Als er einen angewiderten Atemzug keuchte, nahm eine leere Dose ihren Weg auf den Boden.

Seine Augen offen zwingend, sah er sich den überraschten und geschockten Gesichtern seiner Freunde gegenüber... oder zumindest drei von ihnen.

"Gar nicht mal schlecht, Third!"

" 'Nicht mal schlecht'?" fragte Shinji ungläubig, bevor er sie grimmig anstarrte. "Ich wette, du kannst das nicht!"

"WAS? Du musst schon völlig betrunken sein, um mich herauszufordern!" Sie riss selbst eine Dose auf. "Sieh her!"

Nach einem kurzen Moment des Zögerns wiederholte sie mehr oder weniger das, was Shinji vorgemacht hatte; nur, dass sie ihr Bestes gab, ihre Abscheu vor dem bitteren Geschmack zu verbergen. Wie auch immer, ihre Grimassen zeigten, dass sie nur zum Teil Erfolg damit hatte.

"Ha! Siehst du?" Sie schaffte es triumphierend zu klingen. "Ich war sogar schneller als du!"

"Ich... äh... hab den Geschmack genossen!"

"Ich wette, du kannst es nicht schneller!"

"Kann ich wohl!"

...



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"...und das ging so weiter und weiter, während ihr zwei uns völlig ignoriert habt. Als wir gegangen sind, hast du gerade gewettet, dass Shinji PenPen nicht dazu kriegen würde die Reste von der letzten Mahlzeit, das Misato gekocht hatte, zu essen", beendete Hikari ihre Erzählung der Ereignisse jener Nacht (zumindest die, von denen sie wusste).

"Das muss es gewesen sein!" verkündete Asuka grimmig. "Dieser Baka muss gewettet haben, dass ich zu feige wäre ihn zu heiraten! Und da er genau weiß, dass ich nichts fürchte, konnte er sicher sein, dass ich es ihm beweisen würde! Er hat meinen Stolz gegen mich benutzt!"

"Na, so was in der Richtung musste ja früher oder später passieren..."

"Hast du was gesagt?"

"Äh, nein, nein!" winkte Hikari defensiv ab, bevor sie seufzte. "Aber ist es wirklich so schlimm?"

"Was? Machst du Witze?"

"Oh, es hätte schlimmer sein können. Und allein daran zu denken, verheiratet zu sein..."

Der träumerische Ausdruck auf dem Gesicht der Klassensprecherin blieb von der aufgebrachten  EVA-Pilotin nicht unbemerkt.

"Sag mir nicht, du denkst schon wieder daran, Frau Suzuhara zu sein", verzog sie das Gesicht, worauf eine enorme Schamesröte der zopftragenden Brünetten folgte.

"Nun, äh..." überlegte Hikari eine Antwort, die von diesem Thema abweichen würde. "Aber wenn du es so sehr hasst, wie kommtís, dass du diesen Ring immer noch trägst?"

Asuka betrachtete den 'Fluch' an ihrer Hand. Natürlich hatte sie versucht, ihn los zu werden; runter von ihrem kostbaren Finger; ihn mit einem Hammer zu zerschlagen, ihn in Stücke zu hauen und letztlich die Überbleibsel im tiefsten Teil des Meeres zu versenken. Aber...

"ER GEHT NICHT AB!" schrie sie, demonstrativ daran zerrend.

"Hä? Lass mich mal sehen." Hikari betrachtete den Ring an der vorgezeigten Hand. Sie konnte nichts Ungewöhnliches entdecken und offenbar war er nicht zu eng. Als sie allerdings selbst versuchte, daran zu ziehen, bewegte er sich keinen Millimeter. "Also, das ist seltsam..."

"Warte, zieh weiter dran", schlug Asuka vor. "Ich zieh in die andere Richtung. Vielleicht geht er dann runter."

Hikari war sich dessen nicht so sicher, nickte aber trotzdem. Als sie jedoch anfingen von beiden Seiten zu zerren wurde schnell deutlich, dass es nicht funktionieren würde. Das leise, aber hörbare Wimmern des Rotschopfs überzeugte Hikari nicht gerade von der Effektivität dieser Methode.

"Asuka, ich fürchte, wir reißen eher deinen Finger ab, als den Ring."

"Das ist egal!" jammerte diese. "Sie können ihn wieder annähen, wenn wir schnell genug sind!"

Der Schock, dass dieses Mädchen, welches immer die Perfektion ihres Körpers betont hatte, das Risiko einer Verkrüppelung aufnahm nur um einen Ring abzubekommen, ließ Hikari diesen aus der Hand rutschen.

Natürlich zog Asuka noch immer und ohne den Widerstand aus der Gegenrichtung... nun, es braucht kein Genie in Physik um zu erwähnen, dass sie recht schmerzhaft auf dem Hosenboden landete.

Der 'Fluch' hatte sich nicht mal bewegt...



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Hiroya dachte immer, er wäre wie jeder (stereo-)typische japanische Mann um die 30. Angefangen von seinem Äußeren mit dem kurzen, schwarzen Haar (welches glücklicherweise bis lang keine Anzeichen des Ausfalls zeigte), braunen Augen und den Anzügen mit weißem Hemd und Krawatte, die er zur Arbeit trug, zu der er in einem dieser völlig überfüllten Züge fuhr.

Er musste zugeben, er konnte sich glücklich schätzen, dass er ein Büro für sich selbst hatte; selbst wenn es so klein war, dass nur sein Schreibtisch, drei Stühle und ein Schrank so gerade hineinpassten.

Nach der Arbeit ging er üblicherweise direkt nach Hause, machte sich eine Portion Ramen heiß, die er vor dem Fernseher aß, während er seine Lieblingssendung ansah, wo er über die Idioten lachte, die sich anzünden, von einem LKW überfahren oder, als Briefträger verkleidet, mit einem Packet Würstchen in einen Hundezwinger schicken ließen.

Ab und an würde er in eine Karaoke-Bar gehen, wo er, nach ein paar Drinks, auftritt und nach dem, woran er sich erinnerte, durchaus ein wenig Lob.

Wie auch immer, von zwei schwarz gekleideten Männern aufgehalten, in eine schwarze Limousine geschubst und tief in die NERV-Einrichtung gebracht zu werden, war definitiv nichts Typisches in seinem alltäglichen Leben.
Ganz zu schweigen, jetzt von diesem merkwürdigen bärtigen Mann mit seiner noch merkwürdigeren Pose und dem alten, grauhaarigen Mann, der Statuen-ähnlich hinter ihm stand, angestarrt zu werden.

"Hiroya Matsura, nehme ich an?" begann der Jüngere; sein Mund hinter seinen verschränkten Händen verdeckt. "Ich vermute, Sie wissen, wer ich bin und warum Sie hier sind?"

"Nun, eigentlich: Nein!" Hiroya zuckte, sich keiner Schuld bewusst, mit den Schultern. Er hätte schwören können zu sehen, wie sich die linke Augenbraue seines Gegenüber fast um einen ganzen Millimeter anhob.

"Sie wissen nicht, wer ich bin?"

"Nein", kratzte er sich nervös am Kopf. "Sollte ich?"

"Vielleicht sollten Sie mal genauer hinsehen."

Er sah...

Und sah...

Und sah...

Und rieb sich die Augen, als er anfing zu schielen.

"Verzeihung, aber ich verstehe nicht..." gab er schließlich zu.

"Die dunkle Sonnenbrille..."

"Ja..."

"Der Bart..."

"Okay..."

"Die verschränkten Hände vor dem Mund..."

"Äh-hä..."

"Und das macht mich zu...?"

"Einem Blinden, der sich nicht mehr richtig rasieren kann und gerne den Leuten, mit denen er redet, Grimassen schneidet?" riet der Anwalt. "Und der hinter Ihnen ist ihr Pfleger?"

Offenbar falsch geraten, da die Zwei sich einen mehr oder weniger überraschten Blick zuwarfen.

"Nein", meinte der 'Blinde'. "Ich bin der Kommandant von NERV."

"Oh, wow, der Kommandant von NERV?" Er versuchte seine Krawatte gerade zu rücken. "Darauf wäre ich nicht gekommen!"

"Was nützt einem ein einzigartiges Äußeres, wenn dich dadurch trotzdem keiner in der öffentlichkeit erkennt?" murmelte der Bärtige kaum hörbar.

"Ähem", zog Hiroya die Aufmerksamkeit wieder auf sich, "dürfte ich fragen, was ich für Sie tun kann? Ich meine, Sie werden mich sicherlich nicht... äh, 'gerufen' haben für nichts und wieder nichts..."

"Ich hörte, Sie sind verantwortlich für die Scheidungsangelegenheiten meines Nachwuchses, Herr Matsura."

"Bin ich? Sind Sie sicher?" In Gedanken ging er seine derzeitigen Klienten durch. "Nicht, dass ich wüsste. Wie lautet der Name? Das würde helfen."

Erneut war dort dieses kaum wahrnehmbare Zucken der Augenbraue. "Irgend eine Erklärung dafür, Fuyutsuki?" fragte der Kommandant den älteren Mann hinter ihm.

"Ich würde sagen, die PR-Abteilung hat ihre Arbeit etwas zu gut gemacht", riet der Andere.

"Mach eine Notiz, Fuyutsuki. Ich möchte mehr Werbung meiner Person."

"Ich möchte dich daran erinnern, dass ich dein Sub-Kommandant bin, nicht dein Sekretär."

"Wie auch immer", murmelte der Kommandant, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf Hiroya richtete. "Ich bin Gendo Ikari!"

"Ikari?" Hiroya kratzte sich am Kinn. "Ah, ja. Sie sind der Vater dieses Mädchens!"

"Des Jungen."

"Oh, ja. Ich verwechsle die Namen noch immer", gab er zu. "Ich hab schon darüber nachgedacht sie die Ikayus oder die Sorkaris zu nennen."
Als er sah, dass sein Scherz keinerlei Reaktion aus den Beiden locken konnte, kam er schnell wieder zum Thema. "Nun, wenn Sie mich hergeholt haben, um den Scheidungsprozess zu beschleunigen..."

"Eigentlich", unterbrach ihn Ikari, "möchte ich, dass Sie ihn verlangsamen..."

"Oh?" Hiroya kniff die Augen zusammen. "Dürfte ich fragen, wieso?"

"Nein..."

"Äh... wie auch immer, es gibt nicht viel, das ich tun könnte. Ich könnte mich nicht um den Bürokram kümmern, was ich eigentlich versprochen hatte, aber früher oder später würden sie ungeduldig werden und sich entweder selbst darum kümmern oder sich einen anderen Anwalt besorgen." Er lehnte sich vorwärts. "Und, zwischen uns, dieses Mädchen scheint recht leicht ungeduldig zu werden."

"Das ist mir bewusst", dröhnte Ikari. "Ich bezog mich auf die Beratung."

"So? Ich fürchte, ich werde nicht viel Einfluss darauf haben."

"Das weiß ich ebenfalls. Aber Sie sind derjenige, der die Agentur auswählt, nicht wahr?" Hiroya war ein wenig überrascht zu sehen, dass die Hände des Kommandanten nicht zusammengeklebt waren, als dieser eine davon in seine Jacke steckte und eine Karte hervorholte, die er über den Tisch schob. "Sie werden sich hier einfinden."

Hiroya nahm die Karte, auf der in feinen, geschwungenen Lettern stand:

[Saori Tagawa
Eheberatung

Wir versagen nie, hörst du?
]

"Äh, okay..." Er zuckte mit den Schultern. "Aber..."

"Sehr schön, Herr Matsura", wurde er erneut unterbrochen. "Man wird Sie zu Ihrer Wohnung eskortieren."

"Aber ich war auf dem Weg zur Arb..." Hiroyas Stimme erstarb, als zwei starke Hände ihn an den Schultern packten und ihn hinauszerrten.

Das nicht-so-dynamische Duo war wieder unter sich.

"Und du denkst, dass wird einen Unterschied machen?" fragte Fuyutsuki nach.

"Wenn die Gerüchte über sie stimmen ist Fräulein Tagawa die perfekte Wahl für dieses Szenario."

"Ich muss gestehen, es seltsam zu sehen, dass du dich in dieser Angelegenheit so einmischst", wunderte sich der Ältere. "Mich würde es nicht mal überraschen, wenn du etwas initialisieren würdest, um das Second Children vom Third zu schwängern, nur damit sie zusammen bleiben."

"Du meinst, in dem man etwas in EVA-02s LCL mixt um ihre sexuellen Bedürfnisse zu stimulieren, so dass sie Verkehr mit ihm hat?" überlegte Gendo. "Nein, besser nicht. Ich würde nur wieder als der Bösewicht enden, der versucht die DNA des Kindes zu verändern, um einen überlegenen Piloten zu erschaffen; während er sich nicht darum kümmert, ob die Mutter bei der Geburt stirbt und ihr Kind wegn..." Er verstummte. "Hmm, ich sollte wirklich anfangen, mir Notizen zu machen..."

"Ikari!" Fuyutsuki war schockiert. "Du denkst doch nicht ernsthaft..."

"Nein..." fing der Kommandant seinen Gedanken unschuldig ab.

Fuyutsuki verengte seine Augen. "Du schreibst doch nicht wieder diese 'Geschichten', oder??"

"Es ist nichts schlimm an einer netten, kleinen WAFF-Fic."

"Ich hoffe nur, du verwendest nicht wieder dieses Skript-Format."

Gendo(leicht verärgert): "Was, wenn ich Skript-Format mag?"

"Wie auch immer", seufzte der frühere Professor. "Aber während wir schon beim Thema sind; ich müsste mal mit dir über diese Gendo/Rei-Lemons reden, die ich auf deinem Computer gefunden habe."

"Ich hab keine Ahnung, wovon du redest..."





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A/T/N: Gleich mal vorweg: Die Reaktionen, die für das Ende bekommen habe waren recht unausgeglichen. Die Einen waren begeistert von der Hommage an CoL, die Anderen fanden es zu übertrieben. Na ja, man kann's halt nicht jedem recht machen...

Ansonsten gibt es eigentlich nicht sooo viel über dieses Kapitel zu sagen. Es kommt zum Teil heraus, wie es zu allem kam; allerdings dürfte es niemanden wirklich überrascht haben.

Weiterhin erfahren ihre Freunde von ihrem 'Geheimnis', ebenso hat Rei ihren ersten, wenn auch sehr kurzen Auftritt. Keine Sorge, sie wird noch eine größere Rolle spielen, als im Moment. Aber bevor die S/R-fans jetzt falsche Hoffnung schöpfen, muss ich euch leider enttäuschen; dies wird nicht die 5438975. Dreiecksbeziehungs-FF.

Und - Jeder mögliche Fehler/merkwürdige Ausdruck ist vollkommen bewusst eingearbeitet worden - ODER WOLLT IHR ETWA SAGEN, ICH SEI FAUL UND MACH NUR NE HALBHERZIGE ÜBERSETZUNG SO NEBENHER?? (was natürlich nicht im geringsten der Fall ist. ;) )

ÔĽŅ
All rights belong to their respective owners. Which means mostly Gainax in this case...